Während der Entwicklung des Zentralnervensystems, kann es zu Verzögerungen oder Defekten in der Entwicklung kommen. In diesen Fällen spricht man von den so genannten Entwicklungsstörungen, die sich oftmals in auffälligen Verhaltensweisen, aber auch im Fehlen von bestimmten Kompetenzen zeigen. Im Rahmen von Entwicklungsstörungen kommt es dann zu diversen Symptomatiken, wie: Sprachstörungen, Verständnisschwierigkeiten, Artikulationsprobleme, sowie motorischen Defiziten, die sich in abweichenden Bewegungsmustern zeigen. Diese Störungen zeigen sich bei Kindern meist in der Institution Schule, zum Beispiel bei Lese- und Rechtschreibproblemen oder bei Rechenschwäche. Geklärt werden sollte hierbei allerdings vorab, ob die Defizite am Kind liegen, oder durch die Institution bedingt sind.
Schwerwiegendere Formen der Entwicklungsstörungen sind zum Beispiel, Autismus, oder andere Deformationen in der Perzeptionsorganisation, die sich dann auffällig bei den Betroffenen äußern. Ein anderer wichtiger Bereich sind die Entwicklungsstörungen, die durch Erziehungseinflüsse erzeugt wurden, wenn die Eltern zum Beispiel ebenfalls an psychischen Pathologien leiden, oder die Kinder sich komplett selbstüberlassen waren. Bei diesen Störungen verlaufen die Therapien meist länger, da Verhaltensänderungen nur schwer herbeizuführen sind.
Welche Krankheitsbilder gibt es bei Entwicklungsstörungen?
1. Motorische Störungen oder Koordinationsstörungen
- Motorische Koordinationsstörung im Säuglings- und Kleinkindalter
- Motorische Ungeschicklichkeit (im Vorschul- und Schulalter)
- Dyspraxie
2. Sprachentwicklungsstörungen
- Artikulationsstörungen
- Expressive Sprachstörungen
- Rezeptive Sprachstörungen
- Kombinierte Formen
3. Intelligenzdefizite und Störung der intellektuellen Entwicklung
- Lernbehinderung
- Geistige Behinderung
4. Schwerwiegende Entwicklungsstörungen
- Frühkindlicher Autismus
- Atypischer Autismus
- Asperger-Autismus
- Erethie bei geistiger Behinderung
Mögliche Behandlungsform
Sensorische Integrationstherapie:
Bei dieser Therapieform geht es darum, die Informationen, die unsere Perzeptionsorgane aufnehmen, zu ordnen, sie zu strukturieren und sie in Zusammenhänge einzubetten. Das heißt, sowohl die internen, als auch externen Reize müssen im Individuum verarbeitet und integriert werden, damit es nicht zu Störungen kommt. Wichtig ist dies, um das Selbstbild des Betroffenen, der unter einer Störung leidet zu stabilisieren. Hierbei stellt die sensorische Integrationstherapie Zusammenhänge her, die zur Konsistenz des Ich-Bildes beitragen.
Kinder mit sensorischen Integrationsstörungen zeigen Auffälligkeiten, wie eine übersteigerte Ungeschicklichkeit im Alltag. Sie befinden sich oft auf einer permanenten Reizsuche in ihrer Umwelt, was sich in einer großen Unruhe äußert, wiederum andere sind lethargisch und ängstlich.
In der Therapie geht es darum ganzheitlich die Störungen des Nervensystems zu behandeln, mit spielerischen Mitteln sollen die Betroffenen in der sensorischen Integrationstherapie dahin geführt werden, ihre Perzeption zu normalisieren.
Zum Einsatz kommen bei dieser Behandlungsform Schaukeln, Hängematten, Rollbretter und ein Trampolin, um beispielsweise vorhandene Gleichgewichtsprobleme (vestibuläre Dysfunktion) zu therapieren. Der Patient löst zum Beispiel schaukelnd Aufgaben, um seine Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Auch tragen die Übungen zur Verbesserung der Muskelkraft bei, da mit Widerständen gearbeitet wird, wodurch sich auch die Körperhaltung normalisiert.
Um die Haptik zu verbessern, werden ebenfalls verschiedene Hilfsmittel genutzt, um die taktile Wahrnehmung zu trainieren. Hierzu wird zum Beispiel Ton zum Formen von Gegenständen eingesetzt, oder verschiedene andere Gegenstände, die unterschiedliche Oberflächenstrukturen besitzen, um den Betroffenen unterschiedliche haptische Erlebnisse zu vermitteln. Körperliche Berührungen werden in Verbindung mit Massagetechniken eingesetzt, um die Patienten im körperlichen Umgang zu schulen, so dass Ängste und Aggressionen abgebaut werden können.
Bei Störungen im Bereich von Handlungsplanungen, wird für den Patienten eine Situation konstruiert, in der er aufgefordert ist einzugreifen. Zum Beispiel liegt das zu behandelnde Kind in einer Schaukel die vom Therapeuten bewegt wird und es soll mit beiden Händen nach Objekten greifen. Oder es soll sich selbst mit wechselnden Bewegungen zum Schaukeln bringen. Weitere mögliche Übungen sind Seilspringen oder Fangen und Werfen von Bällen.
Während der Therapie werden auch hier unterschiedliche Methoden der sensorischen Integrationstherapie kombiniert. Das Kind selbst sollte bei diesen Übungen sowohl das Tempo, als auch die Zielrichtung der Therapie mitbestimmen.
Ansatzpunkte der Behandlung
Das Kind sollte da abgeholt werden, wo es sich im aktuellen Entwicklungsprozess befindet.
Der Anfang der Therapie setzt bei der Bewegungs- und Körperwahrnehmung des Kindes an. Die Therapie macht sich die Plastizität des Nervensystems und den inneren Antrieb des Patienten zu eigen. Je nach Diagnose werden dem zu Behandelnden sensorische Übungen vorgeschlagen, die seinem Leistungsniveau entsprechen, ihn aber auch herausfordern und somit motorische Fortschritte mit sich bringen. Die Übungen sind immer handlungsorientiert und versuchen dem Kind ein lustvolles Erleben zu ermöglichen. Durch diese Schritte wird das Kind zu mehr Eigenaktivität geführt und es eröffnen sich somit neue Horizonte.
Die therapeutischen Übungen werden in ihrer Durchführung und jeweiligen Dosierung ständig kontrolliert und auf die Reaktion des Kindes angepasst. Es werden vorwiegend die taktile (tasten und fühlen), propriozeptive (tiefensensible) und vestibuläre (Gleichgewicht)Sinneswahrnehmungen angesprochen. Der Therapeut gebraucht hier seine Kenntnisse über die Wechselwirkung der Sinne.
Welche Einflüsse haben die Eltern und das soziale Umfeld?
Wenn eine sensorische Integrationstherapie durchgeführt wird, ist es von eminenter Wichtigkeit, sowohl die Eltern des Kindes, als auch das nähere soziale Umfeld mit einzubeziehen, um ggf. Hilfestellungen zu leisten und das Umfeld mit den Therapiezielen vertraut zu machen.
Als Ziele der SI-Therapie werden folgende Punke formuliert: Verbesserung der Neuralintegration und Selbstorganisation des Patienten, das Selbstwertgefühl, Freude an Bewegung, bessere Koordination und Geschicklichkeit, Handlungskompetenz, Konzentration, Ausdauer, räumliches Vorstellungsvermögen
Wann kann mit der sensorischen Integrationstherapie begonnen werden?
Je jünger ein Mensch ist, desto formbarer ist sein Gehirn- und Nervensystem. Aus diesem Grund ist eine SI Therapie gerade in jungen Jahren besonders zu empfehlen, da im Laufe des Entwicklungsprozesses Veränderungen schwieriger herbeizuführen sind und sich auch mehr Kompensationsstrategien herausbilden, die Auswirkungen auf die Therapie haben. Allerdings können auch ältere, wie Jugendliche und Erwachsene, die an Dysfunktionen leiden mit dieser Methode behandelt werden.
Zur Behandlung in ergotherapeutischen Praxen benötigen Sie eine ärztliche Verordnung.
