Worum handelt es sich bei ADHS?
Da in den letzten Jahren zunehmend mehr Artikel und Berichte sich mit dem Krankheitsbild ADHS beschäftigen, könnte man annehmen, dass es sich um ein neuartiges Symptom handelt, das durch soziale Veränderungen hervorgerufen wird, oder auf falsche Erziehung zurückzuführen ist. Dem muss jedoch widersprochen werden, da auch schon im 19. Jahrhundert ähnliche Symptome unter dem Begriff des Zappel-Philipps beschrieben wurden und im bekannten Kinderbuch des Struwwelpeters einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurden.
Schon im Säuglingsalter kann man bei hyperaktiven Kindern eine übermäßige Lebhaftigkeit feststellen. Die Kinder zeigen eine geringere Konzentrationsfähigkeit und haben dadurch eine verminderte Aufmerksamkeit auf Dinge, mit denen sie sich beschäftigen sollen und auch sonst zeigen sie sich impulsiver und in manchen Situationen auch aufbrausender. Festzustellen ist jedoch, dass gerade sie bei Themen, die sie interessieren eine überaus ausdauernde Beschäftigung mit ihrem Interessengegenstand zeigen.
Somit lässt sich konstatieren, dass es sich nicht um einen Erziehungsfehler oder eine so genannte Modekrankheit handelt, sondern um eine neurologische Fehlschaltung. Mehr oder weniger ungehindert werden im Gehirn des Betroffenen Umweltreize ungefiltert aufgenommen und es findet keine Selektion zwischen wichtigen und unwichtigen Reizen statt. Durch diese Reizüberflutung kommt es zu den bereits beschriebenen Verhaltensstörungen und Auffälligkeiten bei den Personen, da keine ausreichende Reizverarbeitung abläuft. Häufig gehen mit diesem Krankheitsbild noch Teilleistungsschwächen wie Rechenschwäche oder Lese-Rechtschreibschwäche einher, die zu zusätzlichen Belastungen führen. Auch im Laufe des Wachstumsprozesses bleibt das Phänomen ADHS bis ins Erwachsenenalter hinein bestehen, weshalb ein frühzeitiges behandeln zu empfehlen ist.
Hauptmerkmale der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung sind als ein durchgängiges Muster erkennbar als:
- Unaufmerksamkeit
- Und/oder Hyperaktivität
- Und übersteigerte Impulsivität
Bei einigen Betroffenen ist jedoch nur ein Verhaltensmuster erkennbar. Eine ausführliche Auflistung der diagnostischen Kriterien ist der DSM-IV entnehmbar.
Dieses Krankheitsbild muss heutzutage zu den häufigsten Verhaltensstörungen im Kindes- und Jugendalter gerechnet werden.
Die Diagnose ADHS wird deutlich öfter bei Jungen als bei Mädchen getroffen, da diese eine verstärkte biologisch genetische Disposition aufzeigen. Mädchen sind hingegen häufiger vom rein aufmerksamkeitsgestörten Typus des ADS betroffen. Diese Form gilt als sozial tolerierbarer. Wohingegen die Mischform ADHS und HS mehrheitlich bei Jungen diagnostiziert wird und stärkere soziale Auffälligkeiten zeigt, die auch für die Betroffenen zu stärkeren Problemen führt.
Hinzukommend sind bei Kindern, die darunter leiden meist noch andere psychische Störungen zu diagnostizieren, wie zum Beispiel:
- Störungen des Sozialverhaltens
- Störungen mit oppositionellem Verhalten
- Depressive Störungen
- Angststörungen
- Lernstörungen
Da es sich bei ADHS um ein Symptom handelt, das sich wie bereits erwähnt nicht auswächst, kann es zu einem ungünstigen Verlauf der Entwicklung führen und die Betroffenen, wie bereits in Längsschnittuntersuchungen belegt wurde, sowohl im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter stark beeinträchtigen. Erklärbar ist dies durch den pathologischen Verlauf der Entwicklungsstufen, die zu schwerwiegenden Verhaltensabnormalitäten führen können.
Bisher verfügt man noch über kein Diagnoseinstrument, das eine schnelle und sichere Diagnose des Krankheitsbildes ermöglicht, so dass die Verfahren meist langwierig sind und mit aufwendigen neuropsychologischen Testverfahren und Verhaltensbeobachtungen durchgeführt werden müssen, um ADHS verlässlich zu diagnostizieren.
Aus diesen Gründen ist das QEEG für die ADHS-Diagnostik eine besonders interessante Methode, da ADHS Kinder Anormalitäten im Bereich der neuronalen Aktivität aufweisen, die sich besonders im absoluten und relativen Vorkommen einzelner Frequenzbänder zeigen.
Nachfolgende Risikofaktoren werden im Zusammenhang mit ADHS diskutiert:
- Schwangerschaft und Geburt
- Umweltfaktoren
- Familiäre Faktoren
- Neurologische Erklärungsansätze
- Genetische Dispositionen
- Psychologische Modelle
- Integrative Modelle
Die Therapieverfahren bei ADHS reichen von Psychopharmaka über Verhaltenstherapie und andere psychotherapeutische Ansätze, bis hin zu verschiedenen alternativen Behandlungsformen.
Speziell in der Ergotherapie gibt es diverse Behandlungsformen und -verfahren, die beim Krankheitsbild ADHS sowohl singulär, als auch in Kombination angewendet werden können, wie z.B.:
- Neurofeedback
- IntraActPlus-Konzept nach Jansen und Streit
- Verschiedene Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprogramme
- Soziales Kompetenztraining
- Eltern- und Umfeld Beratung
- Förderung der ggf. Entwicklungs- Fähigkeits- und Lernstörungen
- CO-OP-Ansatz
Bei den Therapieverfahren der Ergotherapie bei ADHS werden zuerst vorhandene Störungen im Bereich der Motorik und Perzeption angegangen. In einem geschützten Rahmen wird den Betroffenen ermöglicht ihre körperlichen und perzeptiven Fähigkeiten besser kennen zu lernen. Sie werden zu einer strukturierteren Arbeitsweise geführt, die einhergeht mit einer Fortentwicklung der Grob-und Feinmotorik, wodurch deutliche Verbesserungen in der Fähigkeit leserlich zu schreiben und die jeweiligen Zeilen zu beachten erreicht werden. Auch im Bereich der Aufnahme und Verarbeitung von äußeren Einflüssen und Reizen, wird mit den Betroffenen gearbeitet um Selektionsmechanismen aufzubauen, wodurch sowohl Fortschritte im sozialen Miteinander und der Kommunikation erreicht werden. Ein Schwerpunkt wird hier auf das Erlernen von strukturiertem Arbeiten und Organisieren gelegt, das im Mittelpunkt ergotherapeutischer Methoden im Umgang mit ADHS Patienten steht. Ziel ist es, das Verhalten der Kinder in vernünftige Bahnen zu lenken und ihnen zu ermöglichen auch mit ihren Gefühlen in sozialen Interaktionen besser umzugehen. Im Laufe der Therapie wird durch die jeweiligen Erfolge das Selbstbewusstsein der Patienten sukzessive wieder aufgebaut und gestärkt.
Da es sich meist um ein komplexes Störungsbild handelt und ein holistischer Ansatz zur Therapie empfehlenswert ist, werden meist unterschiedliche Therapieansätze zusammengeführt. Lerntherapeutische Ansätze sind dann sinnvoll, wenn eine Teilleistungsstörung vorliegt. Methoden der Verhaltenstherapie, wie das Konzipieren von Verhaltensplänen und einem Belohnungssystem für die Betroffenen, sowie eine Beratung von Eltern und Lehrern sind ebenfalls in Erwägung zu ziehen, wenn es die Therapie verlangt. Dem ungestümen Bewegungsdrang kann mit entsprechenden therapeutischen Spielen entgegengewirkt werden, bzw. kann die überschüssige Energie sinnvoll kanalisiert werden. Verschiedene Spielformen dienen dazu, sowohl die Aufmerksamkeit, die Perzeptionsfähigkeit und auch das Aushalten von Frustrationen zu verbessern, wobei auch Computerspiele zum Einsatz kommen, aber auch oftmals körperliche Bewegung verlangt wird. Exemplarisch kann hier zum Beispiel das Zusammensetzen eines Puzzles aus einer Hängematte genannt werden, wodurch sowohl die Motorik als auch die Haltung trainiert werden.
Auch der Einsatz von Musik erlaubt den Betroffenen ihre Gefühle besser zu artikulieren und führt zu einer verbesserten Problembewältigung und ist somit auch Bestandteil der Therapie.
Ergotherapeutische Ansätze bei Erwachsenen ADHS Patienten
Wie schon mehrmals erwähnt handelt es sich bei ADHS um ein Krankheitsbild, das auch bei Erwachsenen noch vorkommen kann, da es nicht einfach verschwindet und somit sie auch stark darunter leiden können. Beispielhaft hierfür ist der zerstreute Professor – jemand, der auf seinem Gebiet Höchstleistungen vollbringt, aber ansonsten unheimlich zerstreut und vergesslich ist. Vielleicht hat der Betroffene im Laufe der Zeit gelernt mit seinem Symptom zu leben, wohingegen andere permanent mit ihrer Unruhe und Vergesslichkeit zu kämpfen haben und ihre Symptomatik für sich selbst kaum einordnen können. Kennzeichen hierfür sind zum Beispiel ein häufiger Wechsel von Lebenssituationen, wie Arbeitsstelle, Partner etc., eine undefinierbare Rastlosigkeit.
Um diese Symptome anzugehen bietet die Ergotherapie ein Coaching an, wodurch eine Bewusstwerdung in Gang gesetzt werden kann, da der Coach den Patienten auf seine Verhaltensweisen hinweist und gleichzeitig auch auf alternative Verhaltensweisen hinweist. Somit werden den Betroffenen neue Wege und Alternativen zu ihren Verhaltensweisen gezeigt und mit ihnen eingeübt. Einer gesonderten Behandlung bedürfen hier natürlich anderweitige Symptome, wie Phobien oder psychosomatische Beschwerden.
Dauer der Ergotherapie bei ADHS
Da es unmöglich ist, pauschal eine Dauer der ergotherapeutischen Behandlung bei ADHS festzulegen, muss individuell mit dem behandelnden Arzt diese festgestellt werden. Oftmals werden Kinder mehrere Jahre vom Ergotherapeuten therapiert.Die Krankenkassen schreiben allerdings meist eine Pause der Therapie nach einigen Stunden der Behandlung vor.
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Definition: Die Amyotrophe Lateralsklerose ist eine chronisch- degenerative Erkrankung des zentralen Nervensystems, die mit einer Atrophie also einem Gewebeschwund, der Skelettmuskulatur und Pyramidenbahnzeichen einhergeht.
Ursachen: Die Ursachen der ALS sind bis heute nicht bekannt. Eine beobachtbare familiäre Häufung von Krankheitsfällen weist auf eine genetische Disposition hin. Aber auch andere Faktoren wie z.B. Virus oder Autoimmunerkrankungen werden diskutiert.
Symptome: ALS manifestiert sich durch unkontrollierte Muskelzuckungen zuerst an den peripheren Extremitätenenden wie z.B. an den Fingern, Zehen, Nase, Kinn oder am Ohr. Von den kleinen Hand und Fußmuskeln schreitet die Erkrankung weiter proximal fort, wo sie die Muskelgruppen an Armen und Beinen atrophieren lässt. Neben den schlaffen Lähmungen nehmen viele Patienten schmerzhafte Muskelkrämpfe wahr.
Der Gewebsschwund lässt das Gesicht ausdruckslos und eingefallen erscheinen. Anschließend manifestieren sich Lähmungen der Muskulatur an Zunge, Gaumen, Luft- und Speiseröhre, die schließlich zum Tod durch Einatmung von Fremdkörpern oder Erstickung führen.
Sensibilität, Sensorik und Bewusstsein sind während des gesamten Krankheitsverlaufs voll erhalten.
Diagnostik: Zuerst führt der Arzt eine körperliche Untersuchung durch d.h. durch Beklopfen der Muskulatur oder durch Kältereize können die Muskelkrämpfe ausgelöst werden. Im EMG also die elektrische Spannung im Muskel die gemessen wird, lässt sich meistens eine pathologische Muskelaktivität nachweisen.
Es können auch kleine Muskelentnahmen gemacht werden, die die Diagnose bestätigen.
Therapie:
Medikamentöse Therapie:
– Pyridostigmin
– TRH
– Riluzo
Nicht medikamentöse Therapien:
– Krankengymnastik
– Ergotherapie
– Sprach/ Schlucktherapie
Ergotherapie:
Ziele der Ergotherapie:
– Aktivierung der Muskulatur
– Sensibilitätsförderung
– Thermotherapie
– Vermeidung von Kontrakturen v.a. an den Händen, Ober- und Unterarmen
– Förderung der Fein- und Grobmotorik
– ADL Trainingà Selbstständigkeit trainieren
– Rumpfstabilisation
– Erhalt der Sprache
– Hilfsmittelberatung
